Plastik-Alternativen: Sind Glas und Bambus wirklich besser?

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Plastik ist praktisch: Das Material ist billig, leicht und stabil – aber leider auch sehr beständig. Oft nutzen wir es nur sehr kurz, danach landet es im Müll. 

Aber sind Glas, Metall, Bioplastik und Silikongummi wirklich besser? Wir haben den Check gemacht.

Gesamtfazit

Mehrweg ist aus Umweltperspektive die erste Wahl. Das bedeutet im Umkehrschluss: Ein Einwegprodukt belastet die Umwelt immer – auch wenn das Produkt sich recyceln lässt und die Herstellung umweltschonend war. Die Frage ist also nicht: Welche Alternativen habe ich zu Plastik? Sondern: Wie kann ich Müll reduzieren? 

Verpackungen, Beutel und Kisten, die du ohnehin schon besitzt, sind die beste Wahl. Bei Neuanschaffungen setze am besten auf hochwertige und langlebige Produkte aus Edelstahl, Glas oder Bambusholz. Produkte, die wiederverwertet werden können, weil sie zu einem Mehrwegkreislauf gehören, sind auch gut. 

Biokunststoffe

Plastik-Alternativen: Männerhände legen eine Bio-Mülltüte in einen Mülleimer ein
Foto: Alena Paulus/iStock

 

Eigenschaften

Anstelle von herkömmlichen Plastiktüten bieten einige Supermärkte Tüten aus so genanntem „Bioplastik“ an. Auch bei Kompost-Müllbeuteln kommt „Bio-Folie“ zum Einsatz.

Der Name kann allerdings täuschen. Zwar werden einige Arten Bio-Kunststoff zumindest zum Teil aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrohr hergestellt, beispielsweise sogenanntes „Bio-PET“.

Aber: Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sind nicht automatisch kompostierbar. Bio-PET hat beispielsweise die gleiche chemische Struktur wie herkömmliches Plastik. Und mit biologischer Landwirtschaft hat Bio-Plastik ohnehin wenig zu tun. 

Andere Bio-Kunststoffe sind durchaus kompostierbar bzw. biologisch abbaubar. Einige werden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, aber nicht alle. Bei denen, die aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnen werden, bilden häufig Mais oder Kartoffeln die Grundlage.

Vorteile

Wie herkömmliches Plastik ist auch landwirtschaftlich erzeugter Kunststoff leicht, reißfest und stabil. Einige Agro-Kunststoffe, wie die „Bio-Kunststoffe“ auch genannt werden, sind bei hohen Temperaturen biologisch abbaubar. Dabei geben sie nur so viel CO2 an die Umwelt ab wie die Pflanzen, aus denen sie gemacht wurden, während der Wachstumsphase aufgenommen haben. 

Nachteile

Die meisten der theoretisch kompostierbaren Stoffe zersetzen sich in einem normalen Kompostierprozess nicht. Sie brauchen dafür längere Verweilzeiten, die in den meisten Kompostieranlagen nicht erreicht werden. Wenn sie es überhaupt bis dahin schaffen: Viele Sortieranlagen (sowohl für Bio-Müll als auch für Plastikmüll) entfernen Produkte aus pflanzlichen Kunststoffen als unsortierbaren Rest.

Die Herstellung der Agrokunststoffe ist energieintensiv und benötigt teilweise wertvolle Anbaufläche. Zudem sind nicht alle kompostierbaren Bio-Kunststoffe rein pflanzlich. Vielen werden bei der Herstellung chemische Zusätze auf Erdölbasis zugefügt, die beim Kompostieren freigesetzt werden und schließlich in die Umwelt gelangen können.

Fazit: Kunststoffe aus nachwachsenden Materialien herzustellen, ist grundsätzlich eine gute Idee. Allerdings sind sie bislang nicht praxistauglich. Vielleicht sind sie in einigen Jahren so ausgereift, dass wir sie empfehlen können. Bis dahin raten wir von der Verwendung von Bio-Kunststoffen ab. Sie sind kein guter Ersatz für Plastik.


Glas

Hände halten ein Glas mit eingelegten roten Chilischoten
Foto: sergeyryzhov/iStock

 

Eigenschaften

Quarzsand, Kalk, Soda und Pottasche sind die wichtigsten Rohstoffe für die Herstellung von Glas. Um das Material herzustellen, sind neben den Rohstoffen hohe Temperaturen und viel Energie notwendig. Glas selbst hat ein relativ hohes Eigengewicht. 

Vorteile

In Glas gelagerte Lebensmittel können lange haltbar gemacht werden. Außerdem geht das Material mit anderen Stoffen keine Wechselwirkung ein. Das bedeutet: Bei Glasbehältern gehen im Gegensatz zu anderen Verpackungsmaterialien praktisch keine Schadstoffe in das verpackte Lebensmittel über.

Braunes Glas ist undurchlässig für UV-Strahlen und gut geeignet für lichtempfindliche Lebensmittel wie Speiseöle oder Säfte. Glas lässt sich zu 100 Prozent recyceln und wiederverwenden. Mehrwegflaschen oder -Gläser haben eine gute Umweltbilanz – allerdings nur, wenn sie nicht weit transportiert werden.

Nachteile

Konservengläser und Einwegglasflaschen sind aus Umweltperspektive nicht empfehlenswert. Das Recycling von Glas ist so energieintensiv, dass man mit der gleichen Ökobilanz Neuverpackungen aus anderen Materialien herstellen kann. Glas hat ein hohes Eigengewicht, was sich vor allem bei langen Transportwegen negativ auswirkt.

Fazit: Mehrwegglas ist eine gute Alternative zu Plastik-Einweg-Produkten. Wenn du Getränke kaufst, solltest du unbedingt auf Mehrwegglasflaschen aus deiner Region setzen. Einwegglas ist aus Umweltperspektive zwar nicht empfehlenswert, gesundheitlich aber unbedenklicher als andere Alternativen am Markt.


Metall

Plastik-Alternativen: Eine Konservendose mit Schältomaten, daneben frische Tomaten
Foto: etiennevoss/iStock

 

Eigenschaften

Metall ist ein Sammelbegriff für verschiedene Materialien mit ähnlichen Eigenschaften. Für die Verpackung von Lebensmitteln spielen insbesondere Weißblech und Aluminium eine Rolle, die zur Herstellung von Konserven- und Getränkedosen verwendet werden. Einige Metalle können rosten. Deshalb werden sie vor der weiteren Bearbeitung mit Beschichtungen oder Zusatzstoffen geschützt.

Vorteile

Metalle können erhitzt und gut geformt werden. Lebensmittel in Weißblechdosen lassen sich lange konservieren. Verpackungen aus Metall sind leicht, das ist im Vergleich zu Einwegglas beim Transport ein klarer Vorteil. Metalle lassen sich mehrfach recyceln.

Nachteile

Herstellung, Verarbeitung und Recycling von Metallen sind energieintensiv. Das verschlechtert die Umweltbilanz von Metallverpackungen. Zudem kommt Metall häufig im Verbund mit anderen Stoffen zum Einsatz. Konservendosen werden innen mit einer Schutzschicht versehen, die bedenkliche Stoffe wie Bisphenol A (BPA) an die konservierten Lebensmittel abgeben kann.

Fazit: Die Herstellung und das Recyceln von Einwegprodukten aus Metall sind energieintensiv und belasten deshalb die Umwelt. Mehrfach verwendet können Metallprodukte wie Brotdosen oder Vorratsbehälter aus Edelstahl eine gute Alternative zu Plastik sein.

Aber Vorsicht: Manchmal werden Metalle mit weiteren Stoffen kombiniert, die als bedenklich für die Gesundheit gelten.


Bambusfaser

Zahnbürsten aus Bambus stehe in einem Glas
Foto: Fattyplace/iStock

 

Eigenschaften

Bambus ist ein schnell wachsender Rohstoff. Für den Anbau kommen vergleichsweise wenige Pestizide zum Einsatz. Das Material ist sowohl stabil als auch flexibel. Aufgrund seiner Eigenschaften lässt es sich zu unterschiedlichen Produkten verarbeiten. Bambus wird zum Beispiel zu Möbeln, Einweggeschirr und waschbaren Küchentüchern verarbeitet. Aber nicht alle Bambusprodukte sind unbedenklich.

Vorteile

Produkte aus reiner Bambusfaser sind – im Gegensatz zu Plastik – biologisch abbaubar. Dass Bambus sehr schnell wächst und häufig geerntet werden kann, ist für die Umwelt ebenfalls ein Plus. Um jedoch sicher zu sein, dass für den Bambusanbau keine Wälder gerodet wurden, achte beim Kauf am besten auf Bambus aus nachhaltig bewirtschafteten Plantagen. Das FSC®-Siegel kann beispielsweise Hinweise auf einen nachhaltigen Anbau geben. Gesundheitlich unbedenklich sind Produkte wie Schneidebretter oder Trinkhalme aus Bambus nur dann, wenn bei der Produktion keine weiteren Stoffe hinzugefügt wurden.

Nachteile

Viele „Bambus-Produkte“ wie Bambusgeschirr, Kaffeebecher aus Bambus werden nicht aus reinem Bambus hergestellt. Sie enthalten Bambusholzpulver und zusätzlich Melaminharz oder Harnstoff-Formaldehydharze, also Kunststoffe.

Viele „Bambusprodukte“ bestehen sogar hauptsächlich aus Kunststoff. Sie werden nur mit Bambusfaser oder -pulver vermischt. Toxikologische Bewertungen haben gezeigt, dass Gefäße für Lebensmittel – hergestellt aus diesem Bambus-Mischmaterial – in vielen Fällen gesundheitlich bedenklich sind, besonders, wenn Lebensmittel darin erhitzt werden.

Auch sind sie weder umweltfreundlich noch biologisch abbaubar. Dennoch bewerben Unternehmen und Händler  Bambus-Kunststoff-Produkte immer noch als „bio“, „umweltfreundlich“ oder „besonders nachhaltig“. Deshalb gilt: Augen auf beim Kauf! Nur reines Bambusholz ist für Umwelt und Gesundheit akzeptabel. 

Fazit: Reine Bambusfaser gilt aufgrund ihrer positiven Eigenschaften als gute Plastikalternative. Bei den meisten „Bambusprodukten“ handelt es sich allerdings um Mischprodukte oder um Kunststoffe, denen Bambusfaser oder Bambusholzpulver beigemischt wurde. Reinen Bambus erkennst du übrigens an seinem holzartigen Aussehen und einer deutlich sichtbaren Faserstruktur. Und: Bei Geschirr ist Mehrweg immer besser als Einweg, egal wie umweltfreundlich das Einweggeschirr auf den ersten Blick erscheinen mag.

Mehr zum Thema Bambus erfährst du im Artikel Schadstoffe in Bambusgeschirr – Abmahnungen wegen irreführender Werbung


Silikon

Plastik-Alternativen: Jemand füllt Teig in eine Silikon-Kuchenform
Foto: Angelika Heine/iStock

 

Eigenschaften

Anders als herkömmliche Kunststoffe werden Silikone nicht aus Erdöl, sondern aus Silizium hergestellt. Silizium kommt zum Beispiel in Ton oder Sand vor. Silikone werden unter anderem in Form von Silikongummi zu Küchenhelfern wie Backformen, Eiswürfelbehälter oder wiederverwendbare Backmatten verarbeitet, kommen aber auch in Kosmetikprodukten vor.

Vorteile

Silikongummi lässt sich bis 200 Grad erhitzen und leicht reinigen. Es enthält keine Weichmacher, ist reißfest, UV-beständig und haltbar.

Nachteile

Silikon ist in der Umwelt nur schwer abbaubar. Es braucht Jahrhunderte, um sich zu zersetzen.  Damit Küchenprodukte wie Backformen aus Silikon ihre typische Form und Konsistenz bekommen, werden bei der Herstellung weitere Stoffe hinzugefügt. Um sicherzustellen, dass keine flüchtigen Bestandteile aus der Form beim Backen in das Backgut übergehen können, wird das fertige Produkt im letzten Produktionsschritt auf 200 Grad erhitzt. Manche Hersteller preiswerter Produkte sparen sich diesen Schritt.

Fazit: Als Mehrwegprodukt ist Silikongummi Einwegprodukten wie beschichtetem Backpapier überlegen. Sicherheitshalber solltest du neue Produkte im Backofen eine Stunde lang bei 200 Grad „ausheizen“ und Silikonbackformen oder -matten nicht bei Temperaturen über 200 Grad benutzen.


Papier

Plastik-Alternativen: Verpackungsmaterialien aus Papier: Tüten, verschiedene Becher, Eierkartons, Strohhalme
Foto: Tatiana Atamaniuk/iStock

 

Eigenschaften

Frischfaserpapier wird in der Regel aus Holz hergestellt. Mittlerweile gibt es auch Alternativen am Markt, zum Beispiel Papier aus Apfelresten. Oder Papier, das mit Grasfaser angereichert wurde, um den Holzanteil zu senken. Im Einzelhandel werden Papiertüten und Papierverpackungen als umweltfreundliche Alternative angeboten. Das stimmt aber nur bedingt, denn die Papierproduktion ist für die Umwelt belastend.

Vorteile

Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, Papier ist biologisch abbaubar und lässt sich gut recyceln. Papiertragetaschen und andere Produkte aus recyceltem Papier sind in der Regel gesundheitlich unbedenklich. Sie sind nachhaltiger als Einwegplastik oder Papierprodukte aus neu hergestelltem Papier. 

Nachteile

Die Papierproduktion aus Frischfasern verbraucht viel Holz, Wasser und Energie. Bei der Herstellung können außerdem gefährliche Chemikalien in die umliegenden Gewässer geraten. Auch bei recycelten Papierprodukten werden für die Herstellung viele Ressourcen benötigt. 

Bei Trinkhalmen aus Papier haben Studien gezeigt, dass sie Schadstoffe an das Getränk abgeben. Diese lagen zwar noch im Toleranzbereich, aber im Zweifel sind Mehrwegvarianten aus Metall oder Glas die bessere Alternative.

Bei Lebensmittelverpackungen aus Papier ist Vorsicht geboten. Sie bestehen oft aus Verbundmaterialen und haben zum Beispiel auf der Innenseite eine Silikonbeschichtung. Diese Produkte können nicht recycelt werden. Bedruckte Lebensmittelkartons und Kartons aus Recyclingmaterialien geben häufig gesundheitsschädliche Mineralölbestandteile an Lebensmittel wie Haferflocken, Reis oder Semmelbrösel ab. Um dies zu vermeiden, haben sie oft einen Innenbeutel - meist aus Plastik.

Fazit: Die Herstellung von Papier – auch von Recycling-Papierprodukten – ist energieintensiv und umweltbelastend. Wähle im Zweifel Papiertüten aus recyceltem Papier und achte dabei auf den Blauen Engel. Das Siegel garantiert, dass die Herstellung tatsächlich so umweltschonend wie möglich abläuft.

Recyclingpapier sollte allerdings nicht zum Einpacken von Lebensmitteln verwendet werden. Besser als Einweg-Papiertüten sind Mehrweg-Taschen aus recyceltem Plastik oder andere Taschen, die du ohnehin mehrfach benutzt. 


Beutel aus Baumwollstoff

Plastik-Alternativen: Ein Baumwollbeutel mit Äpfeln und Bananen
Foto: Jelena990/iStock

 

Eigenschaften

Textilien werden aus Garn unterschiedlicher Materialien hergestellt, zum Beispiel aus Baumwolle, Leinen oder Wolle. Stoffe und insbesondere Baumwollstoffe sind stabil, flexibel und waschbar. Sie können immer wieder zum Einsatz kommen. Im Einzelhandel werden Baumwolltaschen und Baumwolltücher mit Bienenwachs als Ersatz für Plastiktüten und Frischhaltefolie angeboten. 

Vorteile

Produkte aus Stoff lassen sich immer wieder verwenden und halten lange. Sie sind waschbar, hygienisch und reißfester als viele Plastik- und Papieralternativen. Stoffprodukte lassen sich in der Regel platzsparend verstauen.

Nachteile

Die Produktion von Textilien ist energieintensiv und umweltbelastend. Die Baumwolle muss angebaut, transportiert und verarbeitet werden. Dafür braucht es unter anderem viel Wasser. Oft werden auch Pestizide und Gentechnik eingesetzt. Je nach Endprodukt kommen bei der weiteren Verarbeitung noch Farben und weitere Chemikalien ins Spiel.

Damit sich der klassische Stoffbeutel umwelttechnisch lohnt, solltest du ihn viele Male benutzen. Je öfter, desto besser. 

Auch die vielgepriesenen Bienenwachstücher haben Nachteile. Beispielsweise lassen sie sich nur mit kaltem Wasser reinigen und sind deshalb für die Verpackung von Lebensmitteln nur eingeschränkt geeignet, insbesondere nicht für rohes Fleisch und Fisch. Sie sind auch nicht lange haltbar - laut einigen Herstellern nur ein bis zwei Jahre.

Bei einigen Wachstüchern wird Baumharz zugesetzt, um das Wachstum von Bakterien und Pilzen zu hemmen. Baumharz hat einen intensiven Eigengeschmack, der leicht auf die verpackten Lebensmittel übergehen kann.

Wird das teure Bienenwachs mit günstigem Paraffinwachs gestreckt, können auch unerwünschte Mineralölbestandteile ins Essen gelangen. 

Fazit: Stoffbeutel? Ja, bitte! Je öfter du zur Tasche greifst, die du sowieso schon besitzt, desto besser die Umweltbilanz. Produkte, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen (wie zum Beispiel Brotbeutel) sind besser ungefärbt und unbedruckt. Sie sollten sich auch mit heißem Wasser reinigen lassen. Das ist bei mit Bienenwachs beschichteten Baumwolltüchern leider nicht der Fall. 

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